Donnerstag, 3. März 2016

Häkelst du mir mal eben schnell was?

 Oder - Warum auch Handarbeit einen Preis hat!

 

Da in letzter Zeit immer wieder Leute fragen, ob ich meine Häkeltierchen verkaufe oder was es kosten würde, WENN man sowas kaufen wollte, fühlte ich mich bemüßigt, doch mal einen ganzen Artikel dazu zu verfassen. Ich hatte ja schonmal angesprochen, dass viele total erstaunt sind wie viel Zeit und auch Geld in einem Tuch, einem Amigurumi oder einer Mütze steckt. Da kommt dann auch schonmal die Aussage "Was?!? So viel willst du dafür haben? Das krieg ich ja im Laden viel günstiger."
Selbstgemacht ist also weniger wert, als in irgendeiner Fabrik unter ominösen Bedingungen, aus irgendeinem beliebigen Material hergestellte Ware? Na dann... Da kann ich aber auch nicht mehr helfen.

Wie ihr schon wisst, verfolge ich auch in diversen Foren, Gruppen und sozialen Netzwerken die Diskussionen und auch dort sind solche Situationen nicht unbekannt. Viele fragen sich, ob sie eine Aufwandsentschädigung nehmen sollen, wenn sie etwas im Auftrag für Freunde oder Bekannte machen. Wenn man sich mal umhört, dann fallen immer wieder die gleichen Sätze...
  • „Stundenlohn darf man sich da gar nicht ausrechnen, das wäre unrealistisch“                            
  • „Man macht das ja nicht um reich zu werden“                                                                               
  • „Das ist doch nur ein Hobby“                                                              
  • „Kann ich doch mal eben schnell machen“                                                
  • „Kalkulieren muss man da nicht, dass rentiert sich sowieso nicht“                
  • „Man macht das doch weil es Spaß macht und aus Liebe, nicht weil man geldgeil ist“ 

Jetzt überlegt euch doch mal, wie oft haben sich eure Bekannten und Freunde hingesetzt und für euch ein paar Stunden Zeit investiert ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Klar gibt es solche Leute, aber die sind wohl eher in der Minderheit. Diesen Menschen schenke ich auch gerne mal was. Jenen, bei denen ich weiß, dass sie für mich da sind, wenn ich sie brauche und dass sie auch ohne mit der Wimper zu zucken Zeit und ggf. auch Geld für mich investieren würden, schenke ich gerne was. Da opfere ich gerne Zeit. Entweder weil es mir Spaß macht, oder weil diese Menschen einfach ganz lieb danach fragen.

Für alle anderen gilt aber, wenn ihr eine Leistung von mir wollt, wo zudem auch noch viel Liebe und Herzblut mit einfließt, dann kostet das Geld. Das ist echt nicht böse gemeint, aber wieso zum Teufel sollte ich Leuten etwas schenken, denen meine Arbeit nichtmal den Mindestlohn wert ist? Das sehe ich irgendwie nicht wirklich ein. Mir geht es ja wirklich nicht ums Geld, sondern um eine gewisse Wertschätzung meiner Arbeit. Wer nicht bereit ist, mir diese entgegenzubringen, der darf sich entweder sein Zeug selber machen oder in ein Geschäft gehen.

Ein Selbstversuch

 


Um nochmal zu verdeutlichen, wie viel Arbeit und Aufwand in einem Projekt steckt, habe ich einen Selbstversuch gestartet. Ich habe bei meinem letzten Projekt mal die Zeit gestoppt und aufgeschrieben, was ich mache und wie viel Zeit ich dafür brauche. Am Ende war ich selbst sehr erstaunt. Teilweise hat man selbst keine Ahnung, was eigentlich alles dazugehört, wofür man Zeit aufwendet. Dabei habe ich manches nicht aufgeführt, weil es in diesem konkreten Fall nicht dazugehört. Es handelt sich bei diesem Projekt nämlich nicht um eine Auftragsarbeit, sondern um ein "just for fun"-Projekt. Was noch dazukommt, wenn man das ganze für jemand anderen macht, werde ich dann hintendran noch auflisten.

Die ARBEITSZEIT für das Projekt "Einhornpegasus" betrug insgesamt 41 Stunden. Schon recht viel, wenn man überlegt, dass es ja "nur" ein Kuscheltier ist.
Die Anzahl der Stunden setzt sich aus den folgenden Einzelschritten zusammen:
  1. Anleitung suchen und beschaffen - Hierfür habe ich 30 Minuten veranschlagt. Natürlich verbringt man deutlich mehr Zeit damit, das Netz nach geeigneten Anleitungen zu durchforsten. Aber dadurch baut sich auch ein gewisser Grundstock auf, aus dem man dann schöpfen kann. Wenn man eine Anleitung kauft, kommt natürlich für den Bestell- und Bezahlprozess noch etwas Zeit obendrauf. Die Zeit, die man dann auf den Versand wartet, hab ich mal weggelassen.
  2.  Material auswählen und beschaffen - Meistens wird in Anleitungen Garn in entsprechenden Farben angegeben, ich arbeite jedoch am liebsten mit bestimmter Wolle und eigenen Farbkombinationen. Im Normalfall habe ich Garn in verschiedenen Farben und Stärken vorrätig, sodass ich mich "nur" entscheiden muss. Wenn man dann aber auch noch in die Stadt fahren und welches kaufen muss, oder online bestellt, braucht das schon gleich nochmal mehr Zeit. Um einen Mittelweg zu finden, habe ich hier mal 2 Stunden berechnet.
  3. Vor- und Nachbereitung - Man braucht immer ein wenig Zeit vor- und hinterher. Sachen zurechtlegen, Garn aufwickeln, Reste aufräumen und so weiter. Da man ja nicht in einem Rutsch durchhäkelt, sondern das alles jeden Tag machen muss (sofern man nicht den Luxus eines Handarbeitszimmers hat, wo man alles rumliegen lassen kann), ist dafür 1 Stunde in die Berechnung eingeflossen.
  4. Häkeln - Die eigentliche "Hauptarbeit"... mag man meinen. Also die reine Häkelarbeit waren in etwa 20 Stunden. Wobei ich da auch schon etwas abgezogen habe, weil ich manchmal nicht ausschließlich häkele, sondern nebenbei noch eine Serie schaue oder sowas. Dann ist man ja hin und wieder abgelenkt. Das könnte man ja im Ernstfall nicht in Rechnung stellen. Wobei allein in der Stille sitzen und häkeln jetzt auch nicht die Erfüllung schlechthin ist.
  5. Zeit für Fehler - Irgendwas ist immer. Man war unaufmerksam und hat sich verzählt, muss ein ziemlich großes Stück wieder aufribbeln und fängt dann wieder an. Oder aber etwas sieht nicht so aus, wie man es gerne gehabt hätte. Dann macht man es eben einfach nochmal. Ich als Perfektionistin brauche da dann doch die eine oder andere Minute mehr. Hier habe ich 4 Stunden gebraucht.
  6. Zusammennähen - Dieser Punkt wird hier extra aufgeführt, da im Unterschied zu Tüchern oder anderen gehäkelten Sachen, viel Zeit dafür draufgeht. Der Pegasus bestand jetzt aus 26 Einzelteilen. Das ist schon recht ordentlich. Da habe ich dann auch glatt mal 5 Stunden dran gesessen.
  7. Details, Fertigstellung - Hier nochmal eben ein Auge aufgestickt, da noch schnell einen Zierknopf angenäht,... Da kommt auch einiges an Zeitaufwand zusammen. Ich habe 5 Stunden angesetzt.
  8. Präsentation - Fotos machen, bearbeiten, einen Blogbeitrag schreiben, die Homepage updaten, Verbreitung in sozialen Medien. Auch das muss gemacht werden. Wer das alles mit einem gewissen Anspruch machen möchte, investiert hier auch nochmal in etwa 3 Stunden
  9. Verpacken und verschicken - Wenn man sein Werk behält, entfällt dieser Punkt natürlich. Aber wenn man keinen großen Aufwand betreibt, reicht dafür eine halbe Stunde. Natürlich je nachdem, wie weit der Weg zur Post ist.
Hier habe ich das alles auch nochmal graphisch aufgearbeitet. Wie man deutlich sehen kann, nimmt das Häkeln nur knapp die Hälfte der Gesamtzeit in Anspruch...
  

Was dann noch dazukäme, wenn man im Kundenauftrag arbeitet, wäre z.B. ein Kundengespräch, in dem erarbeitet wird, was gemacht werden soll, welche Farben, welches Material, welche Kombinationen. Das kann ziemlich schnell gehen, wenn der Kunde schon sehr detaillierte Vorstellungen hat, kann sich aber auch wie Kaugummi ziehen. Jeder von uns hat diese eine Freundin, die sich nie entscheiden kann und für alles ewig braucht.
Am Ende wird es dann natürlich auch nochmal aufwändiger. Man muss eine Rechnung erstellen, das Paket vielleicht etwas ordentlicher und hübscher verpacken, vielleicht ein paar kleine Goodies dazutun. Da ist es dann mit einer halben Stunde nicht getan.

Kassensturz

Wenn man jetzt mal einen Kassensturz macht, dann habe ich bis jetzt 41 Stunden Arbeitszeit in das Produkt gesteckt. Mit einem Mindestlohn (den ja in Deutschland jeder bekommen sollte) von 8,50€/h stünden jetzt 348,5€ auf der Rechnung. Allein für die ARBEITSZEIT!

Dann fehlt noch das MATERIAL... Die Liste ist ansich gar nicht so lang und das ist alles eigentlich auch gar nicht so teuer. 3 Knäul weißes Garn, 1x petrol und 1x lichtgrün. Dazu ein Rest schwarz für die Augen und das silberne Glitzergarn, das ich beim Horn und den Locken für Schweif und Mähne habe mitlaufen lassen. Ich rechne pro Knäul 100% Baumwolle 2€ (inkl. Versand), die verwendeten Reste gehen auf meine Kappe (man ist ja nicht so).
Die Anleitung kostet momentan im Shop bei DaWanda 3,80€. Die kommt dann ja auch noch dazu. Klar, man kann sie mehrfach verwenden, aber anschaffen muss man sie eben erstmal. Die reinen Materialkosten belaufen sich dann also auf 13,80€.

Somit kommt man für Arbeitszeit und Material inzwischen auf 362,30€. Da kann man eigentlich nur mit den Ohren schlackern. Gut, man ist ja kein Unmensch, also rechnen wir als Arbeitszeit mal nur die reinen Produktionsstunden (Häkeln, Nähen, Fertigstellen). Dann käme ich auf 34 x 8,50€ + 13,80 = 319,80€.

Jetzt würde noch einiges an Kleinkram fehlen, wie Stecknadeln, Wollnadeln, Füllwatte, Label... Das alles noch auszurechnen, ist mir aber jetzt wirklich zu mühselig. Außerdem lassen sich die Liebe und das Herzblut, das man reinsteckt, gar nicht mit einem Geldbetrag aufwiegen und beziffern.

Ich denke mal, dass die Message rüberkommt. Selbstgemacht ist teurer als im Geschäft gekauft. Nicht nur wegen der Liebe, der Materialqualität, den "Arbeitsbedingungen", dem persönlichen Engagement... Kaum jemand spricht darüber, wie viel Arbeit in solchen Dingen steckt. Aber wie soll dann irgendjemand wirklich wertschätzen können? Wenn man will, dass seine Arbeit wertgeschätzt wird, dann muss man auch mal Tacheles reden und den Leuten ganz klar sagen, was alles nötig ist.

Wer nicht bereit ist, einen angemessenen Preis für Handarbeit zu zahlen, der soll es lassen und sich gefälligst nicht aufregen. Wer für seine Arbeit, egal in welchem Bereich, angemessen bezahlt werden möchte, der sollte dies auch anderen zugestehen. Natürlich kann man solche Preise wie ich sie jetzt ausgerechnet habe, nicht verlangen. Das wird auch niemand tun. Diejenigen, die es ehrlich meinen, werden angemessene Preise für ihre Arbeit verlangen.

Ganz liebe Grüße!
Eure Traumtänzerin

Kommentare:

  1. Klasse! *Applaus*
    Super verfasst und auf den Punkt gebracht. Ich bin ganz Deiner Meinung. Das glaubt nämlich immer kein Mensch ... "waaas? Sooo laaange brauchst Du dafür???" Und man kommt sich vor wie der letzte Stümper, weil man viel Zeit und Herzblut in etwas investiert, dass so perfekt wie möglich sein soll.
    Du sprichst mir aus der Seele - DANKE!

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    1. Gern geschehen! Ich bin auch froh, zu sehen, dass es anderen auch so geht. Manchmal denke ich nämlich selbst, dass ich irgendwie zu langsam bin oder so. Vielen Dank für dein Feedback! <3

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    2. Genau so ist es. Perfekt dokumentiert.

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  2. Hoffentlich lesen das auch viele und denken dann mal nach.....bevor sie so einen unqualifizierten Kommentar abgeben!!!!

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  3. Das hast du wirklich sehr gut geschrieben!!! Ich verdiene mein Geld damit und du kannst dir nicht vorstellen wie oft ich Anfragen hatte und wenn ich dann meinen Preis nannte (der natürlich immernoch viel zu günstig ist für den ganzen Aufwand, aber adäquat) sich die Leute entweder nicht mehr meldeten, auf 1x kein Geld mehr hatten oder sich nochmal melden wollte. LG, Yvonne

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    1. Genau weil ich solche Situationen jetzt mehrfach erlebt habe, wollte ich diesen Artikel schreiben. Ich hoffe, das sich vielleicht etwas im Bewusstsein der Leute verändert.
      LG

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  4. Eine tolle Auflistung. Allerdings hast du dann noch ein paar Punkte vergessen. Du musst ja theoretisch noch eine Gewinnspanne ansetzen und Ausgaben die drum rum kommen. Theoretisch muss ja noch anteilig Krankenversicherung, Sozialversicherung, etc dazu. Dann noch Matedialverschleiss von Arbeitsmaterial wie Nadeln und Sonstiges. Dann wird ja die Einnahme noch versteuert, das müsste man ja auch noch bedenken. Alle die Handarbeit machen wissen, dass es leider keine Goldgrube ist.

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    1. Das habe ich alles nicht mit eingerechnet, da ich das nicht gewerblich mache, sondern nur als Hobby betreibe. Man könnte da noch viel massiver ins Detail gehen, da hast du Recht! Die Message kommt auch so ganz gut rüber, denke ich. Danke für deinen Kommentar :)
      LG

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  5. Vielen Dank für deinen Ausführlichen Bericht! Ich finde ihn einfach klasse und er/DU spricht/s mir aus dem Herzen! Ich selber stehe auch immer vor dem Problem was kann ich für meine Handarbeit verlangen!
    LG nicky

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  6. So sieht es aus, wundervoll geschrieben!

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  7. Super geschrieben....genau so isses.... lG Gaby Kimmle

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  8. Genau so ist es! Ich habe jahrelang meine Sachen zum reinen Materialpreis verschleudert. Trotzdem musste ich mir auf Märkten anhören, dass da ja kaum Wolle drin steckt und man so kleine Dinger ja schnell gehäkelt hat. Manchmal haben mir Leute, die zufällig am Stand standen beigestanden, manche sogar mehr gegeben, mit dem Argument, ich würde ja noch drauf zahlen, Standgebühr wäre ja auch teuer. Und natürlich kann man keinen Preis für jede Stunde Arbeit berechnen. Aber inzwischen nehme ich für einen Frosch auch mal 36 Euro, den ich vorher für 12 verkauft habe. Und siehe da, es wird trotzdem gekauft, gut bewertet, und die Pöbelei hat aufgehört. Es muss endlich wieder Arbeit geschätzt werden. Natürlich kann man ein Kuscheltier für 5 Euro bei irgendeinem Billigladen kaufen. Das ist dann aber kein Unikat, nicht aus reiner Baumwolle, nicht kindersicher, stinkt nach Chemie und wurde von armen Menschen genäht, die behandelt werden wie Sklaven. Und genau das sag ich den Leuten jetzt auch, mit einem !ächeln im Gesicht. Ihr Kind ist etwas besonderes, da soll es doch auch etwas besonderes bekommen, das nicht krank macht.
    Und natürlich häkel ich auch für soziale Projekte, Frühchen, und Freunde kostenlos. Aber es muss endlich aufhören, das Arbeit nichts mehr wert ist und von Frauen, die handarbeiten sowieso nicht. In anderen Ländern gilt Handarbeit als Kulturgut. Da werden aus Afrika Kettchen mitgebracht, aus Mexiko Silberschmuck, Bilder aus Kuba, Holzschuhe aus Holland... alles für gutes Geld! Unsere Arbeit ist nicht weniger wert, auch wenn sie nicht als Urlaubsmitbringsel gekauft wird.

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  9. Yup, so isses. Und dann hast du bei deiner Rechnung auch noch USt von 19% vergessen, die ja auch noch draufkommt, wenn du das gewerblich machst. Aber ok, gehen wir mal davon aus, du (generisches DU, nicht du persönlich) machst das als Nebenjob zusätzlich zu deinem Hauptjob im Kleingewerbe. Also keine Umsatzsteuer. Nichtsdestotrotz müsstest du dann eigentlich einen Gewerbeschein erwerben und deine Einnahmen auch entsprechend versteuern. Da das langsam ein bisschen umständlich wird, solltest du dir unbedingt wenigstens ein Steuerprogramm zulegen. Und wehe du verdienst mehr als dir die Krankenkasse erlaubt (und das liegt noch deutlich unter dem Kleingewerbesatz), dann kommen noch Krankenkassenbeitrag, Pflegeversicherung dazu. Ach ja, und du verschickst die Sachen noch? Dann vergiss nicht die Verpackungslizenz.
    Was die meisten Leute, die sich über die Preise von Handgemachtem aufregen, vergessen ist, dass der Preis ja kein Gewinn ist. Am Ende bleiben von diesen genannten etwas über 300 Öcken vielleicht 60 oder 80 EUR übrig. Der Rest geht nämlich tatsächlich in die ganzen anderen Kostenpunkte, die so ein gewerbliches Treiben mitsichbringen. Was heißt, am Ende hat man die 40+ Stunden dann doch nur für - seien wir großzügig - 2 EUR die Stunde gearbeitet.
    Mich ärgert diese Preisdiskussion schon lange. Einmal von Seiten der Leute her, die bereit sind sich einen 200 EUR teuren Grill zu kaufen, aber dann das Aldi-Fleisch für 1,96 EUR/Kilo haben wollen, andererseits aber von Seiten derjenigen her, die das "ja nur" als Hobby machen und entweder so schüchtern sind, dass sie sich über jeden Cent freuen, den sie mit ihrem anscheinend "wertlosen" Hobby so machen oder die das einfach unter der Hand erledigen und damit natürlich all die anderen Kosten ignorieren können, die die ehrlichen Handwerkerinnen dann abführen müssen. Mal von dem ganzen Buchhaltungskram abgesehen, den so ein (Klein-)Gewerbe mitsichtbringt.
    Jedenfalls hast du mir aus der Seele gesprochen und dafür vielen Dank.

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  10. Ich finde deinen Beitrag einfach wunderbar!!! Ich liebe es für andere zu häkeln und zu stricken, aber mich für einen Preis festzulegen ist das Schwierigste daran. Du sprichst mir einfach aus der Seele, danke, danke, danke.

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  11. Du spricht mir aus dem Herzen ... Ein prima Post. Da geht so mancher in die Boutique und kauft sich 'nen Pulli für 300 ocken und wenn sie für ein handgemachtes Unikat (z.B. eine Mütze) mal 20 oder 30 bezahlen sollen, damit man wenigstens das Geld für Material und einen Mini-Beitrag für seine Zeit und Anerkennung für die Arbeit haben möchte, wird man scheel angesehen.

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  12. Wie recht du doch hast!! Deswegen verschenke ich meine Arbeitskraft auch nur an liebe Freunde, die es zu schätzen wissen. Mit Arbeit für Geld habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Die Leute wissen einfach nicht wie viel Arbeit in den Dingen steckt und dass man das kostbarste verkauft, was es in unserer Zeit gibt - Freizeit!
    LG Monika

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  13. Und die, die es ehrlich meinen, werden sicher nach einer deutlichen Vorrechnung und Argumentation der Handarbeiterin einen angemessenen Preis zahlen.
    Ich hatte mal einen Loop auf der Nadel und den Rapport kann man dann ja auch irgendwann mal auswendig. So habe ich mal auf die Uhr geschaut und festgestellt, dass ich ALLEIN für das Stricken etwas mehr als 20 Stunden gebraucht habe. Aber auch nur, wenn ich flott war ;-) Alle andere Zeit und auch Materialaufwendungen nicht gerechnet.
    Ich weiss schon, warum ich Handarbeiten nur an ganz bestimmte Personen verschenke. Ich verkaufe nichts von meinen Sachen. Im Grunde müsste man ja die Zeit, die man damit verbringt, seinen Preis zu "rechtfertigen", auch noch berechnen ;-)

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  14. Ich gebe Dir da voll und ganz recht und finde Deinen Artikel zu diesem Thema sehr passend und auf dem Punkt. Ich selbst häkel seit Jahren und wenn man dann gefragt wird, was so ein Teilchen kostet, kommt schon gar keine Antwort mehr. Heißt, ist dann wohl zu teuer. Handarbeit wird einfach unterschätzt, wie viel Zeit, Geld, Liebe und Herzblut da reingesteckt wird.

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  15. DANKE SCHÖN! Bei mir kommen dann noch Steuern, versicherung usw dazu! Das trifft es genau :-)

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  16. Super klasse geschrieben. Wenn du es dann verkaufen willst, hast du noch die CE Kennzeichnung vergessen, die ja auch noch Zeit in Anspruch nimmt.

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  17. Das hast du gut auf den Punkt gebracht. Alternativ könnte man auch tauschen 41 Stunden Aufwand für das Kuscheltier z.B. gegen 41 Stunden putzen oder so ;-) Da werden die Leute auf einmal ganz leise, wenn man solche Tauschgeschäfte vorschlägt. Ich habe auch einen Personenkreis dem ich liebend gerne etwas stricke, häkele oder nähe. Dort weiß ich, dass meine Sachen mit Liebe und großer Wertschätzung getragen und/oder benutzt werden.
    Liebe Grüße
    Sabine

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  18. du hast so recht-deshalb von mir nur geschenke für liebe leute.gerne bin ich behilflich wenn jemand lernen möchte es selber zu machen.

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  19. Klasse!! Darf ich das mal meinen Bekannten geben, die die Nase rümpfen, wenn man für ein 1,60m Dreieckstuch aus guter Wolle 25€ verlangt? :)

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  20. Leider gibt es nicht genug Menschen, die echte Handarbeit anerkennen...Es ist fast unbezahlbar...ausserdem wir so viel Liebe zu dem Projekt mitverhaekelt....Grossartige Leistung....toller Bericht

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  21. Zehr schön geschrieben....alle achtung.....aber recht hasst du.

    Liebe Grusse

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  22. Oh, wenn ich daran denke, wie lange ich nun an dem Tuch für meine Mutter gearbeitet habe. Immer mal ein Wenig mehr am Abend vor dem Fernseher. Es hat wirklich lang gedauert. Und da musste ich schlussendlich nichts zusammen nähen, nur der Endfaden wollte vernäht werden. Aber es sieht kaum jemand ein, dass viel Zeit und Mühe darin steckt. Es erfordert wirklich Geduld und Hingabe, vor allem, wenn man die Fehler bedenkt, die einen immer wieder zurück werfen. Und davon kann sich wohl niemand frei sprechen auch mal einen Fehler zu machen. Wer darüber nachdenkt muss einsehen, dass ein handgearbeitetes Tier, ein Tuch oder eine sonstige Handarbeit nach Mindestlohn bezahlt teuer wäre. Nur sieht man es dem Endprodukt nicht an. Es ist fertig, es ist hübsch und die Arbeit fällt nicht mehr auf...

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  23. Ich habe mir vor einiger Zeit mal überlegt, was man allein für ein Paar Socken nehmen müsste. Und da habe ich bestimmt nicht alles bedacht. Die würden nie gekauft werden.
    Ich weiß schon, warum ich meine Sachen "nur" verschenke. Und niemals im Auftrag. Ich stricke und häkle gerne, aber ausnutzen lasse ich mich nicht.
    Finde ich gut, dass du das mal alles aufgelistet hast.

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  24. 8,50€ plus Lohnnebenkosten, Steuern......

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  25. Ich stricke ja nur Auftragssocken oder hie und da mal einen Schal. Wenn ich reelle Preise nehmen würde - keiner würde das bezahlen. Allerdings glaubt es auch kein Mensch, was ein Aufwand dahinter steckt.
    Von daher - DANKE. Auch für das Diagramm. Denn so ist es mal bildlich zu sehen, wie gross der Aufwand eigentlich ist.

    Liebe Grüsse
    Susi

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  26. Sehr gut, und das ist nicht nur beim Stricken so. Alle wollen was selbstgemachtes aber wollen nicht viel dafür bezahlen. Letztens wieder auf einer großen Endverbraucher Messe gesehen. Da hab ich manchmal echt Fingerkrämpfe um nicht die netten Kunden zu erwürgen.

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  27. Auch hier in Sizilien, wo es den Leuten eigentlich noch im Blut steckt, sich Handarbeiten von anderen machen zu lassen, sehe ich, daß man aber keineswegs dafür bereit ist, angemessen zu bezahlen. Im Gegenteil, man möchte alles am liebsten für Schleuderpreise oder für einen Apfel und ein Ei gemacht bekommen.
    Wenn ich ein Lacetuch im Spitzenlook, was hier als was ganz besonderes gilt, weil noch nicht soooo bekannt, verkaufen möchte, oder auf Kundenwunsch stricke, darf ich auf keine Fall berechnen, dass ich da ja gut einen Monat dran gestrickt habe. Von dem Lacegarn, dass ich mir per Internet besorgen muß, weil hier sowas erst gar nicht verkauft wird, weil nicht bekannt, und worauf ja dann auch noch teilweise saftige Versandkosten kommen, wollen wir erst gar nicht reden..........
    Ich habe in der Zwischenzeit einfach aufgegeben, mir damit mal so nebenbei etwas dazuzuverdienen.

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  28. Deinem Bericht und den bisherigen Kommentaren ist nichts weiter hinzuzufügen. Du hast sowas von Recht. Ich könnte deinen Beitrag glatt ausdrucken und an meine Pinwand heften. Es ist ja nicht so, dass nur Handarbeiten von Anderen Personen oft nicht wertgeschätzt werden, es gibt noch das ein oder andere "hast du mal, kannst du mal oder wenn du schon dabei bist..." Fordere ich für mich eine entsprechende Gegenleistung, schwindet die Akzeptanz sehr schnell. Deshalb übernehme ich keine Auftragsarbeiten mehr. Nur ganz enge Freunde und Familie profitieren noch von meinen Handarbeiten. LG Elsa

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  29. Ich finde den Artikel super .Hab mir noch nie Gedanken darüber gemacht ..Ich handarbeite nicht für Fremde .Enkel,Kinder und wenn Geburtstage anstehn dann verschenke ich gerne Schal,Stola,Filzpantoffeln und kommt immer gut an ..Die Menschen wissen ja nicht wieviel Arbeit und Geld dahinter steckt und gute Wolle ist ja nicht für wenig Geld zu haben ...Meine Trachtenjacke die ich gerade stricke ist ein Unikat könnt ich im Geschäft vielleicht etwas billiger bekommen aber das Geld ist es mir wert ...

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  30. Da sprichst Du allen Selbermachern aus der Seele. "Kannst Du mal SCHNELL", "machst Du mir das auch?" usw., all die Fragen kommen nur von Leuten, die nie sowas selber gemacht haben und die verstehen dann auch nicht, WIE lange etwas dauert. Werden es nie verstehen. Und die dann im Laden Teddys oder Klamotten aus China kaufen. In unserer Familie hab ich das Glück, daß Jeder was selber macht. Mutter strickt, Schwester und ich nähen, sie Taschen, ich Klamotten, meine Tochter zaubert die schönsten Torten. Und so "tauschen" wir. Und Jeder weiß die Arbeit des Anderen zu schätzen. Ich hab mir grad einen Wintermantel genäht und war wirklich ewig drüber. Ich hatte keinen passenden Schnitt, mußte aus Dreien was stückeln, hatte mit Anpassen ewig zu tun. Jetzt ist er fertig und die Zeit ist unbezahlbar. Schon allein der Blindsaum hat 2 Stunden gedauert und mir fast die Finger gebrochen. Wenn ich meine Zeit nicht rechne, war er für mich ein Schnäppchen und ein Designerstück ist es auch. Verkaufen könnte ich sowas nie. Klar, daß das Niemand bezahlen würde. Aber meine Schwester wird wohl mal Einen bekommen.

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  31. Super Artikel! Und das ist nicht nur bei Handarbeiten so, auch Fotografen (mit Kleingewerbe) kämpfen um einen angemessenen Lohn für ihre Fotoshootings oder Familienaufnahmen. Ich bin zum Glück nur Hobbyfotografin und Hobbyhäklerin!

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  32. Dazu kann ich nichts mehr schreiben, einfach toll und Danke für die Arbeit, die Du Dir damit gemacht hast. Ich habe das auch gleich mal geteilt.
    LG-Annett

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  33. Hallo!

    Bin heute durch Mrs. Needle zu Dir und diesen Beitrag gekommen. Ein Thema, das mich auch schon sehr lange beschäftigt. Habe sogar selbst einmal (vor mittlerweile langer Zeit) einen Beitrag darüber geschrieben.

    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2014/02/12/welchen-wert-hat-die-arbeit/

    Ja, welchen Wert hat die Arbeit? Da geht es leider noch immer darum, dass Arbeit unterschiedlich bewertet wird. Wenn jemand im Büro vor dem PC sitzt oder ein anderer den Boden schrubbt oder wieder ein anderer einen ärztlichen Ratschlag gibt. Preise, die unterschiedlicher nicht sein könnten! Und es gibt sie doch noch immer, die Mehr-Klassen-Gesellschaft!

    Das betrifft auch das Thema "Wegwerfgesellschaft" - warum zahlt sich die Reparatur nicht aus? Weil sie von Arbeitskräften in Europa gemacht wird während die Neuproduktion in Dumpingpreisländern erfolgt.

    Das Thema macht mich sooooo wütend!!!

    Ich freue mich, dass auch Du hier auf Deinem Blog diese Ungerechtigkeiten aufzeigst!

    lg
    Maria

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  34. !!! �� dem ist nichts hinzuzufügen!

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  35. Danke schön, sehr gut geschrieben. Ich hab mich auch immer schwer getan, Geld zu nehmen für Auftragsarbeiten. Wenn man aber überlegt, wie viel Liebe in den Arbeiten steckt, vom Rest einmal abgesehen, ist es völlig ok.
    Sabines Idee mit dem Tauschgeschäft finde ich aber auch eine klasse Idee. So ist der Arbeitsaufwand ausgeglichen.

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  36. Bin ganz deiner Meinung. Erst wenn manche Leute es selbst machen müssen, dann ist´s auf einmal viel Arbeit, lustig.

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